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Ich erinnere mich an den Tag des Unfalls
und die vielen schweren Wochen danach. Donnerstag, der
11. August 2005 war für mich ein Tag wie jeder andere -
nur im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich an diesem
Abend eine außergewöhnliche Unruhe in mir hatte.
Eigentlich glaube ich nicht an solche Dinge. Aber es war
etwas, was mich ganz fundamental ängstigte. Am
folgenden Morgen dann die Nachricht von Hartwigs Unfall. Mein Mann und ich waren wie
vom Donner gerührt. Wie geht es mit Hartwig weiter, was
kommt auf uns zu? Wir wussten von einem ähnlichen Fall
im Bekanntenkreis, der nach relativ kurzer Zeit ein
gutes Ende fand. Wir hofften natürlich auch für unseren Fall auf ein ähnliches
Ergebnis. Jedenfalls
wollte ich schnellstmöglich nach Berlin reisen - zwar
hieß es, Todesgefahr bestehe nicht absolut - aber wer
weiß? Ich bezeichne mich als einen gläubigen Menschen
und versuchte mich mit Gebeten zu trösten. In Berlin angekommen machten Annett und ich zusammen
mit Maya gleich einen ersten Besuch auf der
Station. Mein erster erschreckender Eindruck war eher
niederschmetternd. Apparate - Apparate, Hartwig fixiert
und ohne Bewusstsein.
Die nächsten 4 Wochen erlebten wir bei unseren
täglich zweimaligen Besuchen nichts Positives. Hartwig
vorher gesund und kräftig - nun hilflos, teilnahmslos
und abhängig. Wir waren immer voll Angst, was wir
erleben würden bei unseren Besuchen. Wir versuchten,
durch Körperkontakt Reaktionen hervor zu rufen.
Manchmal glaubten wir, einen leichten Händedruck zu
verspüren. Durch relativ hohes Fieber, angeblich
unbekannter Ursache, verschlechterte sich der Zustand.
Verschiedene Behandlungen brachten nicht den erwarteten
Erfolg. Nur der Beinbruch verheilte relativ gut.
Wir gingen abwechselnd zu Hartwig ins Zimmer, eine
blieb mit dem Kind im Vorraum. Nach einigen Wochen, in
denen wir vergeblich auf eine Reaktion von Hartwig
gewartet hatten, standen wir, Annett, Maya und ich
wieder mal wartend und bekümmert im Vorraum als Hartwig
zu einer Behandlung bei uns vorbei gefahren wurde. Wir
hatten in all den Wochen vergeblich auf eine Reaktion
gewartet und waren ziemlich deprimiert.
Was der Auslöser war und wodurch Hartwig auf das
Kind aufmerksam geworden war - er zeigte plötzlich eine
Reaktion. Wir waren zusammen mit den Pflegekräften
glücklich und überrascht. Nun entbrannte ein Streit unter den
Ärzten und den
Pflegekräften. Wäre es von Vorteil das Kind mit ins
Behandlungszimmer zu nehmen? Wir durften Maya mit ins
Zimmer nehmen - einmal! Wir setzten sie aufs Bett -
Maya, damals ein gutes halbes Jahr alt, zeigte keine
Furcht und es war wie ein kleines Wunder - Hartwig
öffnete die Augen und streichelte das Kind. Wir waren so
froh! Aufgrund massiver Bedenken der Ärzteschaft war
dieser Besuch einmalig. Wenn auch in der Folge noch
viele Schwierigkeiten und Rückschläge auftraten - dies
war der Anfang der Besserung. Zwar war es erschreckend,
mitzubekommen, wie viel im Gehirn zerstört war. Aber
Hartwig ging mit großen Fleiß und Optismus daran alles
wieder aufzubauen. Und das ist auch leider
jetzt, 2 1/2 Jahre danach immer noch nötig.
Mit Beginn der Reha in Kladow fing Hartwig mit großer
Energie an durch Üben, Üben und Üben - seinem Zustand zu
verbessern. Von seiner Frau Annett bekam und bekommt er
jede Unterstützung. Wir alle freuen uns über jeden
Erfolg und sind bemüht, ihm den Rücken zu stärken.
Die Bilanz aller Bemühungen ist bisher absolut
großartig und wird sich sicher fortsetzen.
Wir sind glücklich darüber, dass er sein
liebenswertes Wesen behalten hat und hoffen mit ihm fest
auf Wiederherstellung der Fähigkeiten.
Was wir besonders auch ich für meinen Teil als
Mutter in dieser Zeit erlebt habe, gehört zu den
schlimmsten Erfahrungen meines Lebens. In allen erlebten
Ängsten aber war und ist mir mein Glaube an Gott der
Halt und die Zuflucht in allen Nöten. Mit diesem
Vertrauen gehe ich in die Zukunft. Alles was ich
geschrieben habe, gilt auch für meinen Mann.
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