| Aneurysma |
Hartwig's Geschichte 1
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| 14.01.2008
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| Hartwig
Distler |
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Mein Name ist Hartwig Distler. Geboren bin ich am
27.04.1967. Ich hatte ein "Aneurysma" (Gehirnblutung)
und einen Schlaganfall.
Ich bin verheiratet mit "Annett"
(Distler-Bach)
und wir haben eine Tochter "Maya Sophie". Ich
habe euch ganz, ganz, ganz toll lieb!
Erkrankt bin ich am 11.08.2005. Über meine Krankheit,
die Folgen, aber auch das Glück, das ich hatte und habe,
möchte ich in den nächsten Wochen und Monaten
berichten.
Wir wohnen inzwischen bei meinen Eltern auf dem
Land. An meine Eltern "Heinrich" und "Lina"
Distler großer Dank und Liebe dafür, dass ihr immer
für uns da seid.
Das gilt auch für meine Schwiegereltern
"Bernd" und "Helga" Bach. Ihr wart
immer für uns da. Wir haben euch sehr lieb.
Da mein Kurzzeitgedächtnis immer noch sehr leidet,
bitte ich Sie um Verständnis für meine Sprache, da ich
oft nicht genau das sagen kann, was ich eigentlich zum
Ausdruck bringen möchte. Aber jeden Tag wird es besser
und das ist das Wichtigste! Jeden Tag kleine Schritte,
jeden Tag etwas Neues und jeden Tag die Faszination, was
man alles gelernt hat. Zu sehen, wie komplex unser
Wissen ist, das wir über viele Jahre aufgebaut haben.
So schlimm es auch sein mag, an einer solchen Krankheit
zu erkranken, am Ende steht für mich die Dankbarkeit
dafür, das Ganze überlebt zu haben und viele neue
Varianten des Lebens kennen zu lernen! |
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| 15.01.2008
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| Krankheitsgeschichte |
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Erkrankt bin ich am 11.08.2005. Dann lag ich 5 Wochen
in einem Wach-Koma. Ich bin erst wieder aufgewacht, als
ich auf dem Weg zur Therapie war. Im folgenden eine
kurze Beschreibung meiner Krankheitsgeschichte.
„Zur Vorgeschichte ist bekannt, dass Herr Distler
im August 2005 eine Subarachnoidalblutung aus einem
Aneurysma der Arteria communicans posterior erlitt. Das
Aneurysma ist operativ durch Clipping ausgeschaltet
worden. Eine zerebrale Kontroll-Angiographie zeigte
jedoch, dass noch ein kleiner Rest des Aneurysmas
perfundiert war. Ein weiteres bekanntes kleines
Aneurysma der linken Arteria ophthalmica war
unverändert.
Diagnose:
-
Aneurysma der A. ophtalmica links
-
Aneurysmaclippung Aneurysma der
Arteria communicans posterior links
-
Anlage eines ventrikulo-peritonealen
Shunts
-
Hydrozephalus malresorptivus
-
Reposition, Osteosynthese
Unterschenkel links und OSG
-
Osteosynthese mit Fixateur externe
linker Unterschenkel
Im September 2006 wurde das Aneurysma beseitigt.“
Für das nächste 3/4 Jahr verlief alles problemlos.
Anfang Juli 2007 hatte ich dann einen epileptischen
Anfall.
„Erster generalisierter epiletischer Anfall bei
Zustand nach SAB bei Communicans-posterior-Aneurysma
links mit hinterem Media-Teilinfarkt links,
ventrikulo-peritonealer Shunt, Zustand nach Clipping und
Coiling des ACP-Aneurysmas links und Coiling des
Ophthalmica-Aneurisma.“
Das habe ich selbst bemerkt:
-
sehr, sehr starke Konzentrationsstörungen, immer
noch präsent, zwar verbessert, aber noch präsent.
Bin immer noch weit davon entfernt, mir einen Satz
vom Anfang bis zum Ende zu merken.
-
konnte zu Beginn nicht mehr lesen. Musste das ABC
wieder lernen. War sehr langwierig. Hätte mir das
viel einfacher vorgestellt (-:
-
beim Schreiben das gleiche Problem
-
Mathe-Modul relativ großflächig ausgefallen. Das
betrifft sowohl das Schreiben als auch das Denken.
-
habe lange Zeit keine Träume mehr gehabt.
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| 16.01.2008 |
| Erste Gedanken - Vielerlei |
Am Anfang hatte ich gedacht, das "Ganze"
wäre in einem halben Jahr überstanden und dann wäre
alles wieder in Ordnung. Nach einem 1/4 Jahr habe ich
dann gemerkt, dass das Ganze doch etwas länger dauern
wird. Heute weiß ich, dass das Ganze viel länger
dauern wird. Wie lange es dauert und ob ich es schaffe,
wieder dahin zu kommen, wo ich einst her gekommen bin,
das steht in den Sternen. Aber das ist nicht Frust,
sondern für mich ist es der Ehrgeiz wieder möglichst
weit zu kommen. Es ist toll zu lernen, aus wie vielen
einzelnen Schritten sich gelernte Sachen zusammen setzen.
Ich habe bemerkt und gelernt, aus wie vielen
Facetten sich einzelne Dinge zusammen setzen müssen. Die
meisten Sachen waren sehr lernaufwändig und ich musste
eine gewisse Kontinuität an den Tag legen. Da habe ich
erst bemerkt, was die Kinder alles leisten müssen um an
das Ziel zu kommen. Den Vorteil, den ich hatte war, dass
ich genau wusste, wo ich hin wollte. Aber das war eine
der wichtigsten Erfahrungen, zu lernen, wie lange es
dauert etwas, zu "lernen". Und dabei eine
Kontinuität an den Tag zu legen. Über Jahre hinweg,
immer jeden Tag das gleiche zu machen. Die Freude dabei
ist, dass man "jeden Tag etwas schneller" wird. Ich
hätte nicht gedacht wie aufwändig es ist, zu lernen,
die Uhr wieder richtig zu lesen. Wie viele
Einzelschritte benötigt werden um das Ganze zu schaffen.
Voraussetzung ist beispielweise, erst wieder die Zahlen
zu lernen. Dann muss man einen Zusammenhang herstellen
über die Position und die Aussage. Also um 6 Uhr muss
der Zeiger nach unten zeigen, "18" Uhr ist es,
wenn der Zeiger noch eine ganze Runde gemacht hat. Und
welche Schwierigkeiten macht es noch heute "viertel
Fünf" korrekt zu erkennen. Und das nach nun 2 1/2
Jahren. |
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| 17.01.2008 |
| Haare schneiden - Sport |
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Heute Morgen war sehr
anstrengend. Ich
habe diese Web-Seiten-Liste erstellt in Frontpage (Programm).
Wie gesagt nur die weiterführenden Seiten über das
Aneurysma. Allein zum Anfertigen der Liste habe ich 1
1/2 Stunden gebraucht. Dazu mehr an einem der nächsten
Tage.
Heute geht es um Haare schneiden und um Sport.
Harre schneiden
Durch das Aneurysma hatte ich einen
"Shunt", eine Verletzung am Kopf. Durch die
Verletzung am Kopf hat sich mein Kopf taub angefühlt
und es war eine Wunde an meinem Kopf. Sehr unangenehm,
um Haare zu schneiden. Ich habe deswegen einen
Bartschneider gekauft. Das Harre schneiden mit einem
Bartschneider ist ziemlich anstrengend. Es dauert jedes
Mal eine, bis 1 1/2 Stunden. Das Schöne daran ist, man
muss verschiedene Tätigkeiten mit einander verknüpfen.
Es ist schön dabei zu sehen, dass es jedes mal etwas
schneller geht. Die ganze Handhabung wird flüssiger und
geht etwas reibungsloser. Sicher, das ist bei jedem der
Fall, aber bei mir war es am Anfang selbst
schwierig, den Bartschneider einzustellen. Es ist auch
gut, dass man bei
der ganzen Tätigkeit mehrere Schritte
nacheinander ausführen muss.
Das mag alles ganz banal
klingen, aber es ist ganz wichtig, kleine komplexe
Tätigkeiten wieder auszuführen.
Sport
Ich habe Anfang 2007 wieder angefangen, Sport zu
machen. Jeden Tag ein bis zwei Stunden. Mal Laufen, mal
Radfahren und mal Inline-Skaten. Alles ganz langsam und
gemächlich. Am Anfang brauchte ich all meine
Konzentration für die sportliche Tätigkeit, d.h. zum
Beispiel, das Laufen war das einzige was ich während
dieser Zeit machen konnte. Nachdenken war nicht möglich.
Mit der Zeit konnte ich denn auch parallel wieder etwas
nachdenken. Jeden Tag ein bisschen mehr. Die sportliche
Tätigkeit wird immer mehr zur Nebensache. Zuerst war
die sportliche Sache die Hauptsache, und jetzt kann ich
mich wieder mehr auf das parallele Nachdenken
konzentrieren. Beim Nachdenken kann man viele Sachen
machen, zum Beispiel sich einzelne Wörter einfallen lassen. Jedes Wort
muss man dann nach einiger Zeit wiederholen. Das
Intervall kann man verschieden bzw. sollte man flexibel
gestalten. Dann kann man Testen, wie viele Wörter man
machen kann. Am Anfang konnte ich nicht einmal ein Wort
für eine halbe Minute behalten. Inzwischen ist das
schon besser geworden. Jeden Tag ein wenig mehr!!!
Einen kleinen Rückschlag gab es im Juli 2007 durch
einen epileptischen Anfall. Da habe ich erst mal den
Sport bleiben lassen. Aber nach zwei Monaten habe ich
wieder angefangen. Die antiepileptischen Medikamente
waren eingestellt und ich habe wieder angefangen Sport
zu treiben. Und das war super!
Übrigens, das ging heute relativ gut mit dem
Schreiben. Zwar noch weit von der Normalität, aber doch
sehr gut. Wenn ich dagegen noch intensiv über die Sache
nachdenken muss, dann habe ich noch keine Chance. |
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| 18.01.2008 |
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Schreiben, Lesen
und Mathe |
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Wie ihr seht, drücke ich mich um die
wichtigsten Kapitel: Lesen, Schreiben, Mathe und
Konzentration herum. Da fehlt mir immer noch der
Wortschatz, um das auszudrücken, was ich eigentlich
sagen will.
Der Zwang sich ausdrücken zu müssen, ist sehr gut.
Ich habe in den letzten Tagen unheimlich viel an
Wörtern dazu gelernt.
Mein Gehirn ist noch immer wie ein Sieb. Wenn ich
einen Satz zu Ende lese, weiß ich den Anfang nicht mehr. Es
ist inzwischen um einiges besser geworden, aber noch
immer weit von der Normalität entfernt. Auch hier
wieder ist der Engpass bei der zur Verfügung stehenden
"Hardware". Auch hier geht es nur über "Übung,
Übung, Übung und noch einmal Übung". Der gezielte Einsatz von
Alltagssituation ist hier für
mich sehr hilfreich. Wichtig ist für mich vor allem das
Wiederholen einer Sache bis es fast schon aus den Ohren
heraus kommt. Am Anfang habe ich die Situationen bewusst
einfach gemacht. Mit der Zeit geht es nun immer
schwieriger. Wie gesagt, das A und O beim Lernen ist die
regelmäßige Wiederholung.
Früher, also vor der Krankheit, hat alles im Leben
zusammen gepasst. Man hat immer kleine Schritte gemacht
und dabei immer das Gefühl gehabt, was Sinnvolles zu tun.
Alles ist aus einem Stück gekommen. Mit der Krankheit
ist dann auf einmal alles zusammen gebrochen. Inzwischen
weiß ich ganz gut, dass ich über viele Sachen,
die ich gelernt habe, wieder sehr schnell verfügen werde
können, sobald ich die Grundlage, wie das Lernen der
Buchstaben wieder geschafft habe. Aber es ist schon
erstaunlich zu sehen, wie lange es braucht die Grundlagen
wieder herzustellen. Wie gesagt, bei mir war es früher
einfach Standard Schreiben und Lesen zu können, das hat
man irgendwann "gelernt". Und dann von einem
Tag auf den anderen musste ich wieder Buchstaben lernen,
um wieder in der Lage zu sein, Sachen zu lesen und zu
schreiben. Wie gesagt, ich habe inzwischen gemerkt, dass
viele Sachen noch da sind, dass ich nur nicht darauf
zugreifen kann.
Jeden Tag ein Stück mehr, erst nur ein paar
Buchstaben, dann eine halbe Seite, dann eine Seite, dann
zwei Seiten und so weiter. Am Anfang habe ich sehr, sehr
lange gebraucht, um auf die Buchstaben zuzugreifen.
Inzwischen ist das schon wesentlich besser. Aber es hat
eben 2 1/2 Jahre gedauert, um überhaupt wieder die
Grundlagen zu schaffen.
Wie gesagt, ich habe jede Situation genützt, um
bewusst zu lernen. Diese Einstellung hat mir viel
geholfen. Wichtig war für mich auch, dass ich an allen
Sachen Freude hatte. Wie gesagt, ich habe lerntechnisch
versucht, aus allem meinen Nutzten zu ziehen.
Ein starker
Helfer bei der Sache war die Software "Cogpack".
Ich habe nach einem Jahr angefangen, mit "Cogpack"
zu arbeiten. Es macht immer noch jede Menge Spaß!
Wie gesagt, das A und O ist bei mir die Kontinuität
und das "immer wieder machen"!
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| 19.01.2008 |
| Farben - Leben auf dem
Bauernhof |
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Schwierigkeiten
mit Farbensehen
Ich habe seit 2 1/2 Jahren Schwierigkeiten mit dem
Erkennen von Farben. Das Farbensehen funktioniert
einwandfrei. Aber das Unterscheiden von Farben ist immer
noch schwer. Wie gesagt, das Erkennen von Farben
funktioniert einwandfrei. Wenn ich aber die Farbe benennen
muss, gibt es Schwierigkeiten. Also wenn ich die
Verknüpfung zwischen Farbe und dem Sagen des Farbwortes
erstellen muss. Wenn ich also die Verknüpfung zwischen
dem Gesehenen und dem Farbwort erstellen muss. Dass ich
also eine Verknüpfung zwischen "gesehenem", Rot
und der Benennung "Rot" erstellen muss. Am
Anfang war das mehr oder minder zufällig, was ich da
produziert habe. Jetzt nach 2 1/2 Jahren geht das immer
noch nicht problemlos, aber schon viel, viel besser. Aber
es kostet mich immer noch eine gewisse Anstrengung diese
Verknüpfung zu erstellen.
Leben auf dem Bauernhof
Wir haben bis Ende Juni 2007 in Berlin gewohnt. Dann sind
wir auf das Land zu meinen Eltern gezogen. Man merkt es
nicht, wenn man da wohnt, weil ja alles in seinem gewohnten
Umfeld ist, aber durch das Umziehen habe ich erst gemerkt
wie unruhig es in der Stadt ist. Es sind immer Geräusche
da, wie gesagt, es ist immer unruhig. Wenn man sich auf
Sachen konzentrieren kann, ist das im Täglichen Leben kaum
ein Problem. Da ich aber seit meiner Krankheit Probleme
hatte, z.B. Schallquellen sauber zu trennen und sich nur
auf eine zu konzentrieren, ist das teilweise sehr
anstrengend.
Meine Eltern sind inzwischen in Rente
gegangen, so dass
der Bauernhof inzwischen still gelegt ist. Aber auf der
Fläche des Hofes gibt es immer noch viele Kleinigkeiten,
die erledigt und aufgeräumt werden müssen. Das Meiste
machen zwar meine Eltern, aber so hier und da darf ich auch
mitmischen. Und das macht jede Menge Spaß. Zudem hilft, es
handwerkliche Sachen wieder zu lernen und zu üben.
Ein gewisser Nachteil des Lebens auf dem Lande ist die
Tatsache, dass ich aufgrund meines epileptischen Anfalls
nicht mehr Auto fahren darf und somit immer auf andere zur
Fortbewegung angewiesen bin bzw. es etwas aufwändiger ist.
Das war im gewissen Sinne in der Stadt etwas einfacher.
Der Vorteil ist, dass man sich genau überlegt, wenn man
etwas will. Wenn ich wirklich etwas will, dann kann ich
mit dem Fahrrad zum nächsten Bahnhof fahren. |
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| 20.01.2008 |
| Rechts und Links |
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Ich war eigentlich schon immer schlecht
dabei, rechts und links richtig zu unterscheiden. Aber
durch meine Krankheit ist es noch mal um Klassen
schlechter geworden. Das Schwierige dabei ist nicht,
rechts und links zu unterscheiden, sondern die Vielzahl
der Dinge die ich wieder lernen muss. Das schwierige
dabei ist, dass man fast alles über Monate, wenn nicht
sogar Jahre immer wieder wiederholen muss. Mein
Tagesprogramm ist inzwischen voll bis oben hin. Und es
kommen immer neue Ideen und Gedanken dazu. Manchmal
fällt es mit relativ schwer, neue Ideen zu verwerfen.
Einfach weil ich die Zeit nicht mehr habe, und daher viele
neue Ideen streichen muss. An manchen Tagen ist es einfach schwer, sicht zu
motivieren. Sachen wieder zu lernen, die ich ja schon
einmal gelernt habe. Aber zum Glück sind diese Tage bei
mir relativ selten. Da kommt zum Glück meine neuro-biologische Ausbildung zum Tragen (bevor ich mich
dann in der Simulator-Technologie selbstständig gemacht
habe). An vielen Stellen kommt eine Art Neugier in
mir auf. Ich habe inzwischen viele Sachen erst richtig
verstanden, bei denen ich vorher ein ganz anderes
Verständnis hatte ... alles hat eben auch seine guten
Seiten ...
Es ist auch schon ganz schön schwer, sich jeden Tag
wieder neu einzukalibrieren. Jeden Tag passiert bei mir
so viel Neues, jeden Tag muss ich mich wieder neu ein
pegeln.
Ich bin jeden Tag, immer wieder von neuem dankbar, das
ich überlebt habe. Ich genieße jeden Tag, dass ich das
Glück habe, zu leben.
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| 21.01.2008 |
| Lebenslauf |
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Hartwig Kurt Distler
geboren am 27.04.67 in Neustadt/Aisch
Anschrift
-
Hartwig
Distler
-
Ezelheim
42
-
91484
Sugenheim
-
email:
mad@vrtainment.de
-
Schulausbildung
1973-1977
Grundschule in Sugenheim
1977-1986
Gymnasium in Scheinfeld
1986
Abitur (Abschlussnote 1.9)
1987-1993
Studium der Biologie in Würzburg und Tübingen
1993
Diplomprüfung (Gesamtnote 1.0)
Hauptfach:
Biologische
Kybernetik
Nebenfächer:
Elektronik
und Mikroprozessoren, Biologische Psychologie,
Mikrobiologie
1993-1994
Diplomarbeit am
Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen.
Thema: Die Rolle
von Augenbewegungen bei der Wahrnehmung der Länge von
Linien.
10.1994-1999
Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für
Biologische Kybernetik in Tübingen. Thema: Wahrnehmung
in virtuellen Welten.
27.05.2003 Fertigstellung der Doktorarbeit:
Wahrnehmung in Virtuellen Welten
Bundeswehr
1986-1987
Beruflicher
Werdegang
9.1998-2.1999
„Director of Virtual Reality “ bei dataframe
GmbH
3.1999-10.1999 „Technical
Director“ bei Müller Systemtechnik GmbH
4.2000-8.2000
„Technical Director“ bei RNT GmbH
seit
9.2000
Selbständig als Hartwig Distler
Juli 2003
|
|
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2003
Allmann-Ward, M.,
Venor, J., Williams, R., Cockrill, M., Distler, H.K.,
Crewe, A., Heinz, T. (2003). The Interactive Simulator as a Practical
Engineering Tool. SAE-2003-01-1505
Crewe, A., Distler, H.K., Heinz, T. (2003). Simulator Sound Objects - A
Proposal for an Open standard on Sound Components for Driving Simulators.
SAE-2003-01-1440
2000
Distler, H.
K., Gegenfurtner,
K. R., Hawken, M. J., Van Veen, H. A. H. C. (2000). Velocity constancy in a virtual reality environment.
Perception, 2000, 29, 1423-1435
1998
Distler, H.
K., Van Veen, H. A. H. C., Braun, S. & Bülthoff, H. H. (1998). Untersuchung komplexer Wahrnehmungs- und
Verhaltensleistungen des Menschen in virtuellen Welten. [Studying complex aspects of human
perception and behaviour in virtual environments] In I.
Rügge, B.Robben, E. Hornecker, F.W. Bruns (Ed.) Arbeiten und
begreifen: Neue Mensch-Maschine-Schnittstellen, Lit-Verlag
van Veen, H. A. H. C.,
Distler, H. K., Braun, S. J. & Bülthoff, H. H. (1998). Navigating through a Virtual City: Using virtual
reality technology to study human action and perception. Future Generation Computer
Systems, 14, 231-242
Distler, H.
K., Pelah, A., Bell, A.
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Distler, H. K., Gegenfurtner, K.
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auf Geschwindigkeitskonstanz. [The influence of object size on velocity
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Bülthoff, Fahle, Gegenfurtner & Mallot (eds.), Proceedings 1. Tübinger
Wahrnehmungskonferenz, p. 48, Knirsch Verlag
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Distler, H.
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C., Braun, S. J., Bülthoff, H. H., Heinz, W. & Franz, M. (1998). Navigation in real and virtual
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Navigating a virtual landscape.
Distler, H.
K., Van Veen, H. A. H.
C., Braun, S. J., Bülthoff, H. H., Heinz, W. & Franz, M. (1998).
Navigation in
real and virtual environments: Navigating a virtual
landscape.
In M.
Göbel, J. Landauer, U. Lang, M. Walper (Ed.) Virtual Environments `98 Proceedings of the
Eurographics Workshop, Springer Wien, New York.
Müller, K.R.
&
Distler, H.K.
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demands of the armed forces? Possibilities and Risks Customer oriented
product development. In DWT - Simulationstechnik: Ziele,
Aufgaben- und Einsatzbereiche
1997
Distler, H.
K., Gegenfurtner, K. R.,
Van Veen, H. A. H. C. & Hawken, M. J. (1997). Velocity constancy in virtual reality environments.
Investigative Ophthalmology & Visual Science, Vol. 38, No. 4, #370.
1996
Distler,
H.K., Bülthoff, H.H.
(1996). Velocity perception in 3D environments. Perception,
25 (Supplement), 58b.
Distler, H.K.
(1996). Psychophysical Experiments in Virtual Environments. In:
Virtual Reality World 96 Conference Documentation, München 1996: Computerwoche Verlag AG.
1994
Distler,
H.K.
(1994). Die Rolle von Augenbewegungen beim Vergleich der
Länge von Linien. [The role of eye movements in the perception of line
length] Diplomarbeit, Universität Tübingen. Diplomarbeit, Universität
Tübingen. Diplomarbeit, Universität
Tübingen. Diplomarbeit, Universität
Tübingen. Diplomarbeit, Universität
Tübingen. Diplomarbeit, Universität
Tübingen.
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| 22.01.2008 |
| Bilder
von mir |
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1967
Geburt

1967
ein halbes Jahr

1969
2 Jahre
1970
Drei Jahre

1971
Vier Jahre

1976
als Clown

1978
junger Teenager

1981
Konfirmation

1987
junger Mann mit 20

1990
erste Version des jungen
Wilden

1992
zweite Version

1993
zweite Version

1995
Prost!

1997
Geschenke

1999
Disney

2000
in Ägypten

2004
in Berlin 2004

2006
auf dem Bauernhof

2008

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| 23.01.2008 |
| Mein Tagesablauf |
|
Ich habe inzwischen einen sehr regelmäßigen Tagesablauf.
Ich stehe zwischen 4:30 und 5 Uhr auf. Dann habe ich 2
Stunden, um meine Emails zu lesen, etwas "Cogpack"
(zu lernen) und wie jetzt, über meine Krankheit zu
schreiben.
Meine lieber Sonnenschein steht um ca. 6:15 auf, und
unsere junger Sonnenschein kommt dann gegen 7:00. Meine
Frau geht dann arbeiten und ich kümmere mich um die
kleine Dame. Es dauert schon seine Zeit, bis die junge
Dame gewaschen ist. Dann frühstücken wir mit Oma und Opa
zusammen. Dann geht es in den Kindergarten. Da ich nicht
mehr Auto fahren darf - wegen meiner Epilepsie - fährt
sie zusammen mit meinen Vater zum Kindergarten, ich bin
natürlich mit im Auto. Vom Kindergarten aus geh ich dann
Sport machen. Die Zeit beim Sport nutze ich dazu, um zu
zählen oder etwas nachzudenken.
Dann habe ich 2 1/2 Stunden für mich, um zu lernen, zu
schreiben, Mathe zu machen, Schreibmaschine zu lernen, und
"über mich zu schreiben". Und noch viele andere
kleine Dinge zu machen, die mich beschäftigen. Dann kommt
Maya zum Mittagessen nach Hause. Nach dem Essen wird für
Maya ein Mittagschläfschen gehalten. Ich lege mich meist
auch für ein paar Minuten dazu.
Dann lerne ich wieder. Nachmittags ist dann meine Frau
zu Hause und "übernimmt Maya". Ich verbringe
die meiste Zeit mit lernen, und verschiedene Kleinigkeiten
zu erledigen. Und dann ist schon wieder Zeit für das
Abendessen. Dann spielen wir alle zusammen bist Maya ins
Bett geht. Je nachdem "wer dran ist", geht einer
von uns beiden mit Maya schlafen. Wenn ich nicht dran bin,
lerne ich noch etwas oder schaue etwas fern, bevor ich
dann gegen 21:30 - 22:00 ins Bett gehe.
Aufgrund meine Epilepsie versuche ich inzwischen, die
Zeiten regelmäßig einzuhalten. Am Wochenende natürlich
noch etwas mehr schlafen. Eine bis zwei Stunden. Wie
gesagt, bei der Epilepsie ist es wichtig, einigermaßen regelmäßig zu schlafen und nicht wie es manchmal in
jungen Jahren der Fall war, unregelmäßig zu schlafen. |
|
| 24.01.2008 |
| "Auf der Suche nach
der Butter" |
|
Es ist immer noch schwierig, auf dem Tisch bestimmte Sachen
zu finden. Das hängt im allgemeinen auch viel von der
Tagesform ab. Wenn ich mich beispielsweise auf der Suche
nach Butter befinde, geht das folgendermaßen: Erst habe
ich vergessen, was ich eigentlich gesucht habe. Ich weiß
zwar, dass es auf dem Tisch steht, aber ich weiß nicht mehr
genau, was ich denn suche. Dann muss ich versuchen, das
einzuschränken, zu welcher Kategorie gehört es?
Normalerweise ist das in Sekundenschnelle geschehen, aber
bei mir dauert das. Bei mir kann es sich bis zu einer
Minute hinziehen.
Die Vorauswahl ist teilweise ziemlich langwierig. Wenn ich
dann weiß, was ich suche, geht es meist sehr schnell.
Manchmal kann es sich aber auch hinziehen und es kann
relativ lange dauern, bis ich das gefunden habe, was ich
eigentlich suche.
Auch hier gilt: Es ist schon viel, viel besser geworden.
Aber es ist erstaunlich, aus wie vielen Einzelschritten
sich die Suche zusammensetzt. Im "normalen Leben"
sind die ersten Schritte relativ schnell abgearbeitet. Es
ist mir im "normalen Leben" gar nicht
aufgefallen. Erst als sich durch die Krankheit eine
Störung ergab, merkte ich, wie wichtig einzelne Schritte
wirklich sind.
Wenn bestimmte Informationen nicht mehr in adäquater Form aufbereitet
werden, da merkt man erst ihre Bedeutung. |
|
| 25.01.2008 |
| In der Küche |
|
Wenn ich manchmal koche - was inzwischen
wieder äußerst selten geschieht - komme ich relativ
schnell in Probleme, sobald ich mehr als eine Herdplatte
verwende. Mit einer Herdplatte ist das inzwischen
problemlos. Aber sobald ich 2, 3 oder 4 Herdplatten
verwende, ist bei mir das absolute Chaos am Ausbrechen.
Besonders deutlich wird es bei vier Herdplatten. Schon
alleine die Tatsache, dass ich auf vier Herdplatten
gleichzeitig aufpassen muss, überfordert mich. Wenn es
dann in die Endphase geht, bin ich dann oft überfordert.
Alleine das Koordinieren überfordert mich da schon. Wie
gesagt, bei einer Herdplatte ist das heute kein Thema
mehr. Aber sobald ich dann mehrere Sachen gleichzeitig
machen muss, bin ich relativ schnell überfordert.
Kreuzworträtsel
Am Anfang war ich schon froh, wenn ich in
10 Minuten ein paar Buchstaben geschafft habe. Was
richtig zu machen, daran war gar nicht zu denken. Ich
habe mir immer die Lösung mit dem Rätsel mitgenommen.
Einfach um wieder ein Gefühl für die Buchstaben zu
bekommen. Nach 2 1/2 Jahren bin ich nun so weit, wieder
eigenständig Teile eines Rätsels lösen zu können.
Aber es gibt immer wieder leichte Schwierigkeiten mit
den Buchstaben. Noch relativ wenig, aber immerhin einige bekomme ich
schon wieder richtig hin. Für den Rest muss ich immer
noch bei den Lösungen nachschauen. Aber das ist auch
eine gute Übung, da ich mir dann die Wörter merken
muss, um sie dann richtig einzutragen. Und es ist
einfach schön zu sehen, wie es jeden Tag etwas besser
wird.
Scannen
Wieder so eine kleine Übung. Einscannen
einer Seite in den Scanner auf dem Rechner. Die erste
Aufgabe war es überhaupt, den Scanner wieder zum Laufen
zu bringen. Das hat schon 2 Tage gedauert, um den
Scanner wieder zum Laufen zu bringen. Dann alle Einstellmöglichkeiten wieder
einigermaßen zum Laufen zu bringen, das hat noch einmal 3-4 Tage
gedauert. Aber es
ist einfach schön, wieder mal am Rechner sitzen zu
können. Am Anfang lief so gut wie gar nichts, aber mit
der Zeit entwickelt man wieder so etwas wie ein "Gefühl
für den Rechner". Dazu muss ich vielleicht noch
sagen, dass ich vor meiner Krankheit "Fahrsimulatoren"
programmiert habe. Und jeden Tag wird es ein wenig mehr,
was ich am Rechner wieder machen kann. Von meinen
Fähigkeiten von früher bin ich noch weit, weit
entfernt, aber ein Anfang ist gemacht.
Ich hatte es schon einmal
gesagt, aber ich sage es
gerne wieder: Es ist erstaunlich, was ich alles gelernt
habe vor meiner Krankheit. Man merkt es aber irgendwie
gar nicht, was man schon alles kann. Erst durch meine
Krankheit ist mir aufgefallen, aus wie vielen einzelnen
Komponenten dass sich alles zusammensetzt. |
|
| 26.01.2008 |
| Englisch lernen |
|
Nach dem Eintreten meiner Krankheit habe
ich relativ früh wieder angefangen, Englisch zu lernen. Am
Anfang lief so gut wie überhaupt nichts. Keine
Buchstaben mehr, wie gesagt, gar nichts mehr. Dann habe
ich mich erst mal mit den Buchstaben beschäftigt. Zu
diesem Zeitpunkt habe ich nur Deutsch für meine sehr
spärliche Kommunikation verwendet. Dann nach einem
halben Jahr habe ich angefangen auch wieder Englisch zu
lernen. Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass mein
Englisch früher relativ gut war. Wie gesagt, ich habe
also nach einem halben Jahr wieder angefangen, Englisch
zu machen. Am Anfang waren es wieder nur Worte, dann mit
der Zeit simple Sätze. Und dann irgendwann komplexere
Sätze. Letztendlich hänge ich im Englischen fast an den
gleichen Problemen wie im Deutschen. Das Lesen ist immer
noch sehr stockend, und ich bin nur mit dem Lesen
beschäftigt, kann aber das, was ich gerade lese, nicht
eigentlich verstehen. Wie gesagt, an fast allen Stellen
habe ich in beiden Sprachen die gleichen Probleme. Aber
es macht Spaß, wieder in Englisch und Deutsch lesen und
schreiben zu können. Es wird sicherlich noch seine Zeit
dauern bis ich zumindest wieder problemfrei lesen kann.
Aber ein Anfang ist gemacht. Und wie gesagt, noch
wichtiger ist, es macht Spaß. Auch hier hat das Schreiben über meine
Krankheit sehr viel gebracht. Im
Deutschen bin ich ein kleines Stück weiter. Da geht das
Schreiben etwas "flüssiger". Im Englischen
habe ich mich an "Babel Fish" bedient. Damit
ist die Grundlage geschaffen. Die sprachliche Abstimmung
muss man dann aber selbst machen. Aber auch hier gilt,
dass es in guten Schritten vorangeht. Außerdem ist das
Nachschlagen von Wörtern in beide Richtungen eine gute
Übung. Bis ich ein Wort im Lexikon nachschlage,
dauert das noch immer sehr lange. Aber das ist alles eine
Frage der Übung. |
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| 27.01.2008 |
|
Die Zahlen |
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Das Zählen mit den Zahlen war und ist immer noch sehr
schwierig. Es macht mir heute noch Schwierigkeiten. Selbst
das Zählen bis neun war am Anfang schwierig. Ich habe am
Anfang mehr oder minder wie ein Zufallsgenerator
funktioniert. Mit der Zeit hat es sich dann gebessert. Der
nächste Schritt war das Zählen bis 99. Hier dann die
ersten Schwierigkeiten mit der Reihenfolge der Zahlen. Da
das Ganze noch etwas deutlicher wird mit dreistelligen
Zahlen, sei es gleich an Zahlen bis 999 erläutert. Wenn
ich zum Beispiel die Zahl 127 habe, dann geht das
Gesprochene so: Erst die "1" dann die
"7" und dann die "2". Noch heute
bringt mich das durcheinander. Wenn man es der Reihenfolge
nach machen würde, wäre es dann "172", aber es
ist eben "127". Es wäre nett, wenn mir jemand
mal erklären könnte, warum man das so gemacht hat? Die
Zahlen sind immer "im Dreier-Pack verpackt".
Warum ist das so?
Eine weitere Besonderheit liegt in dem Modus, den ich
verwende. Wenn ich nur gedanklich zähle, geht das
inzwischen einigermaßen "gut". Sobald ich aber
laut spreche, komme ich wieder durcheinander? Auch hier
wäre ich für Lösungen sehr dankbar!
Wenn ich momentan Zahlen bis 9999 zähle, dann geht das
einigermaßen, aber bei größeren Zahlen habe ich dann
wieder Probleme. Eine Zahl wie z.B. 432467981
auszusprechen, dauert noch sehr lange. Besser geht das
schon, wenn ich 432 467 981 mache. Das Ganze ist dann
schon etwas strukturierter. Wenn ich das Ganze auf dem
Papier machen darf, geht es wesentlich besser als wenn
ich nur "sprechen" darf.
Aber auch hier gilt: Jeden Tag ein Stück besser. Jeden
Tag ein wenig mehr. Und wieder kann ich nur sagen, wie
komplex das ganze doch ist! Sicher, manchmal wäre es schon
schöner, wenn das Ganze etwas schneller ginge. Aber dann
würde man wahrscheinlich wieder gar nicht bemerken, aus
wie vielen Komponenten sich das alles zusammensetzt. |
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| 28.01.2008 |
| Lesen und Schreiben,
Teil 1 |
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Am Anfang war selbst das Buchstaben Lesen
und Schreiben schwierig. Inzwischen bin ich schon um einiges
weiter.
Das Buchstaben Lesen und Schreiben macht zwar, je nach
Tagesform, immer
noch leichte Schwierigkeiten, aber im Vergleich zu vor 2
1/2 Jahren ist es schon sehr gut.
Wenn ich etwas lese, dann ist es immer noch etwas
stockend, aber ich bin schon sehr viel weiter gekommen.
Gerade bin ich in einer Stufe angekommen, in der zwar
das Lesen einigermaßen geht, aber all meine
Konzentration ist durch das Lesen belegt. Verstehen kann
ich das, was ich im Moment lese nicht. Dazu muss ich mir
dann etwas Zeit lassen um das Ganze etwas "einwirken
zu lassen".
Manchmal merke ich auch, wie ich etwas ganz anderes
lese, als was da wirklich steht. Erst an bestimmten
Worten fällt mir dann auf, dass da etwas ganz anderes
steht, als das was ich eigentlich lese. Das ist etwas
komisch, aber da ich weiß, dass ich das auch bald
überstanden habe werden, mache ich mir deshalb keine
Sorgen.
Bei manchen Artikeln geht das Lesen inzwischen fast
wie von selbst, bei anderen Artikeln dagegen bin ich nur
am Stocken. Wenn ich einen bestimmten Stil schon einmal
gelesen habe, geht das immer besser. Dagegen, wenn ich
einen neuen Stil das erste Mal lese, bin ich nur am Stocken.
Letztendlich bin ich da wahrscheinlich in
einem einfachen Statistischem Apparat. Man muss eine Sache nur oft
genug lesen, dann prägt sich das auch ein.
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| 29.01.2008 |
| Lesen und Schreiben,
Teil 2 |
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Am Anfang meiner Krankheit konnte ich
weder lesen noch schreiben. Da merkt man erst mal, wie
schwierig es ist, eine Kommunikation aufzubauen. Auf einmal hat man keine Mittel und Wege
mehr, sich
verständlich zu machen. Ich wollte zwar,
aber die Mittel haben gefehlt. Wie kommuniziere ich ohne
Lesen und Schreiben? Schreiben und Lesen ist keine Sache, die man von
heute auf morgen lernen kann. Es dauert unheimlich lange
und stellt die Geduld ganz schön auf die Probe. Nach 2
1/2 Jahren ist das Buchstabieren einigermaßen wieder da,
aber es läuft noch immer nicht "automatisch"
ab. Es steht noch immer eine gewisse Anstrengung
dahinter. Aber es ist schon viel, viel besser.
Gelernt habe ich im Gedanken, also mündlich und
schriftlich (Schreiben). Am Anfang konnte ich nur einige
wenige Buchstaben sagen oder schreiben. Da ist eine
Stunde vergangen, bis ich ein paar Buchstaben
aufgeschrieben hatte. Nach einiger Zeit habe ich dann
die Buchstaben immer seitenweise geschrieben (ein
Buchstabe pro Seite), oder mir einen Buchstaben mehrere Male
vorgesagt. Am
Anfang habe ich mich streng an die Reihenfolge
("ABC") gehalten. Nach einiger Zeit habe ich
dann die Buchstaben rein zufällig gewählt. Dann habe
ich mit Groß- und Kleinschreibung angefangen. Am Anfang
habe ich einen Buchstaben immer eine Seite lang geschrieben. Mit
der Zeit habe ich dann angefangen, die Buchstaben
durcheinander zu würfeln. Zunächst Groß- und
Kleinschreibung getrennt, dann aber letztendlich alles
durcheinander. Der ganze Prozess hat 1 bis 1 1/2
Jahre gedauert. Ich habe natürlich in der Zwischenzeit
dann auch viele andere Kleinigkeiten gemacht (gelernt).
Dann habe ich sehr kurze Sätze gemacht. Ich habe
"Kindersätze" gemacht. Und dann irgendwann
auch komplexere Sätze. Immer alles Stück für Stück.
Immer ein klein wenig mehr. Sowohl beim Lesen als auch
beim Schreiben bin ich noch immer weit von der "Normalität"
entfernt. Aber es wird schon werden. Man muss sich
einfach in Geduld üben. Und immer üben, üben,
üben und noch mal üben. Ich wiederhole das sehr oft,
aber das ist das "A" und das "O" der
ganzen Sache.
Beim Schreiben merke ich oft, dass ich gerade nicht an
den "Buchstaben komme". Es dauert da einige
Momente bis ich dann weiß, welcher Buchstabe da hin
gehört. Beim Lesen hatte ich bereits vorher beschrieben,
dass ich manchmal Sachen lese, die da gar nicht stehen.
Meine Tochter ist jetzt drei. Zum Glück kann ich
bereits wieder einigermaßen vorlesen. Vor allem ist das
auch eine gute Übung. Besonders gut dabei ist, dass sie
manche Sachen immer wieder vorgelesen haben will. Zum Beispiel das Dschungelbuch habe ich in diesem Monat
sicher schon 20 Mal vorgelesen. Und jedes Mal wird es ein
Stück besser!
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| 30.01.2008 |
| Namensgedächtnis |
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Ich habe nach wie vor Schwierigkeiten, mir Namen zu merken.
Die ganze Sache fängt schon an mit der Aussprache des
Namens. Ich hätte immer gedacht, dass das Lernen von Namen
am schnellsten gehen sollte. Aber weit gefehlt, es
fällt mir immer noch schwer, Namen einzuprägen. Ich
erinnere mich vage daran, dass das Namensgedächtnis mit
dem Alter etwas nachlässt, aber dass alleine kann nicht
der Grund dafür sein. Da muss noch mehr dahinter stecken.
Eines der Probleme ist sicherlich, dass das "Schreiben"
und "Lesen" von Namen immer noch nicht
problemlos verläuft. Ich kann mir zwar eine Person
relativ schnell merken, nicht aber ihren Namen. Selbst bei
Personen aus dem Familienkreis habe ich sehr, sehr lange
gebraucht, diese Verknüpfung wieder herzustellen. Es ist
inzwischen etwas besser geworden, aber immer noch weit
davon entfernt, normal zu sein. Besonders auffällig
ist,
dass wenn ich "ausländische
Namen" versuche zu lesen, also z.B. aus dem
Russischen oder aus dem Japanischen oder Chinesischen.
Bei solchen Namen kann es sehr, sehr lange dauern, bis ich
den Namen richtig ausgesprochen habe. Sicher, da hatte ich
auch schon vor meiner Krankheit oftmals Probleme, bestimme
Namen aussprechen zu können. Aber das ging viel
reibungsloser damals. Ich denke, einer der Gründe könnte
sein, das meine Aussprache die entsprechenden Silben noch
nicht "entdeckt" hat. Wie also in bestimmten
Sprachen Silben ausgesprochen werden. |
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| 31.01.2008 |
| Ich hatte Riesenglück |
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Ich hatte Riesenglück gehabt, dass ich
das alles überlebt habe. Meiner Frau Annett, meiner
Tochter Maya, meinen Eltern und meinen Schwiegereltern
kann ich immer nur Danke, Danke, Danke sagen, dass ihr
für mich immer da wart. Auch ein großes
"Danke" an meinen Überlebenswillen. Jeden
Tag, den ich heute genießen darf, genieße ich doppelt
und dreifach. Es ist einfach schön, noch immer da sein
zu können.
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| 01.02.2008 |
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Mathematik |
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Einige Sachen der Mathematik haben wir
schon teilweise besprochen als es um das Zählen ging.
Das ist auch mein Hauptproblem mit der Mathematik.
Auch
hier gilt, alle meine Konzentration geht für etwas
verloren, was eigentlich der Standard sein sollte. Das Zählen von
Zahlen. Es fällt mit immer noch sehr schwer,
auch einfache Rechnungen durch zu führen, wie z.B. 212 +
121 oder 391 - 236 oder 19 * 11 oder 70 : 5. Die meiste
Zeit geht dabei verloren, um sich mit den Zahlen zu
recht
zu finden. Aber ich muss ja daneben auch noch die Zahlen
zusammensetzen und die Rechenregeln beachten. Vor allem
das Umschalten von Zahlen nach der Rechenart macht mir
immer noch sehr, sehr große Schwierigkeiten. Also zum
Beispiel 132 "plus" 18. Das Umschalten
von Zahlen nach dem Zeichen und dann wieder zurück.
Gleiches gilt für Kommazahlen, also z.B. 1,8 + 0,9.
Das ist noch etwas schwieriger als vorher, da hier zwei
mal ein "," vorkommt.
Aber auch hier gilt: Übung macht den Meister. Ich
bin hier um einiges schneller geworden, meine ganze Denke ist schneller und im gewissen Sinne flüssiger
geworden. Zur Zeit braucht das Umschalten zwischen Zahl
und Rechenzeichen immer noch zu viel Zeit. Aber wie
gesagt, in den letzten 2 1/2 Jahren hat es sich schon
sehr viel gebessert. |
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| 02.02.2008 |
| Phobien |
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Ich hatte im meinem Leben einige
Phobien, d.h. Angstzustände. In den letzten Jahren hat es sich
aber beruhigt. Wann genau es sich beruhigt hat, kann ich
nicht sagen. Aber ich denke, dass es so fünf bis
sechs Jahre sind. Im wesentlichen sind es zwei Phobien, die eigentlich
gegenläufig sind. Auf der einen Seite Platzangst, auf
der anderen Seite Angst vor freien Flächen. Ich denke,
dass die Angst vor dem Sterben hinter dem Ganzen steht.
Aber das ist nur eine Vermutung.
Zum ersten Mal ist es im Alter von 15, 16 bei mir
aufgetreten. Manche Tage waren unbeschwert, andere Tage
waren schwierig. Das Ganze hat sich dann aber für
eine bestimmte Zeit beruhigt.
Mit 21 hatte ich Masern. Das ist eigentlich eine
Kinderkrankheit. Das hat mir sehr schwer zu schaffen
gemacht. Ich bin damals vier Wochen krank gewesen. Es
hat auch einige Zeit gedauert, bis ich wieder vollkommen
gesund war.
Dann kamen im Alter von 22 die Phobien wieder. Ich habe
für ein Jahr aufgehört zu studieren und habe bei
meinen Eltern gewohnt. Manche der Tage waren sehr
schwierig. Ich habe Anfälle bekommen, teilweise keine
Luft mehr bekommen und über Stunden am ganzen Leib
gezittert. Nach einem Jahr habe ich dann wieder
angefangen zu studieren, habe dann gleich auch den
Studienort gewechselt. Es hat dann über 10 Jahre
gedauert, bis ich das Ganze wieder im Griff hatte.
Allerdings waren die letzten Jahre in relativ moderater
Form verlaufen. Ich habe über die Jahre gelernt, mich
mit mir selbst zu arrangieren. Wichtig war
während dieser Zeit, dass ich mich "immer
beschäftigen" konnte. Das Gute während dieser Zeit
war, dass ich gelernt habe, mich mit mir selbst zu
beschäftigen. Ich habe dabei eine Vielfalt von
Interessen entwickelt. Das ist eine der Sachen, auf die
ich immer sehr stolz sein werde. |
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| 03.02.2008 |
| Sachen parallel
bearbeiten |
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Es ist immer noch schwer bzw. eigentlich
unmöglich, Sachen parallel zu bearbeiten. Es geht
inzwischen eine Sache in mehreren Schritten abzuarbeiten.
Also Schritt 1, Schritt 2, Schritt 3 ..., die
nacheinander abgearbeitet werden sollen. Je nach Aufgabe
hat sich da die Zahl der Schritte vervielfacht. Aber
Sachen gleichzeitig zu bearbeiten, fällt immer noch
schwer, bzw. ist noch unmöglich. Es ist ein wenig wie
ein Engpass im Speicher. Was ich bearbeitet habe,
vergesse ich relativ "schnell". Es ist in den
2 1/2 Jahren besser geworden, aber noch weit davon
entfernt, normal zu sein.
Das ist immer noch eine Sache, die mir etwas Sorgen
macht. Wie gesagt, Lesen, Schreiben und Mathematik zieht
sich zwar in die Länge, aber da bin ich mir inzwischen
sicher, dass ich es schaffen werde. Auch über die Sache,
mit dem nacheinander Arbeiten, da bin ich mir auch sicher.
Das ist nur eine Frage der Zeit und natürlich
des Trainings. Aber das parallele Bearbeiten von
Sachen ist hingegen eine Sache die mir heute noch etwas
Sorgen macht. Da habe ich immer noch nicht die richtigen
Handgriffe entdeckt. Aber da wird Rat und Zeit schon auch
noch kommen. Irgend eine Lösung wird es da schon
geben. |
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| 04.02.2008 |
| Die Tastatur |
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Über die Buchstaben haben wir ja schon
geredet. Aber ich muss es hier noch einmal wiederholen,
es ist einfach erstaunlich, wie lange man braucht, um
etwas zu lernen. Zuerst habe ich meine Schreibversuche
nur auf dem Papier und mündlich gemacht. Irgendwann
habe ich dann auch noch den Computer dazu genommen. Sich
wieder auf der "Tastatur zurecht zu finden",
das hat mehr als ein halbes Jahr gedauert. Ich habe die
verschiedensten Übungen gemacht, ua. Schreibmaschinen-
Lernprogramme und jeden Buchstaben bestimmt mehrere
tausend male gedrückt. Und immer noch merke ich, wie ich
immer wieder, das gewisse Zögen bei einem Buchstaben
habe.
Einfach ein Zeichen dafür, dass das Ganze immer noch nicht
komplett verankert ist. Gerade bei Buchstaben, die ich
vergleichsweise selten verwende, sehe ich das. Wenn ich
beispielsweise die "+"- oder die "#"
-Taste verwende, dauert es noch immer oft einige Sekunden bis
ich die Taste gefunden habe.
Die Träume
Ich habe fast eineinhalb Jahre keine bewussten Träume mehr
gehabt. Ich denke mal nicht, dass
das etwas Traumatisches ist. Aber es ist zumindest
erwähnenswert.
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| 05.02.2008 |
| Buchstaben |
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Am Anfang musste ich erst mal die
Buchstaben wieder lernen. Ich habe dann mit der Zeit
wieder angefangen, Sätze abzuschreiben. Dadurch, dass mein
Gedächtnis immer noch sehr kurzlebig ist, war am Anfang
schon nach dem ersten Wort alles vergessen. Bei etwas
komplizierten Worten war selbst das nicht möglich. Es
ist aber auch eine gute Möglichkeit, wieder neue Worte
zu lernen. Und gerade am Anfang war das notwendig. Da
gingen gerade mal Worte wie "ich" oder
"du", bei allen anderen hatte ich schon wieder
Schwierigkeiten. Inzwischen ist mein Wortschatz ganz
schön angewachsen. Die Übung ist es nun, sich einige
Worte einzuprägen - also einen Satz oder Teile eines
Satzes - und sie dann ohne Vorlage zu schreiben.
Inzwischen bin ich je nach Gestaltung des Satzes bei
zwei bis fünf Wörtern.
Text auf zwei Rechnern
vergleichen
Ich schreibe einen Text auf zwei
Rechnern.
In eine Version füge ich kleine Fehler ein. Dann warte
ich einen oder mehrere Tage, bis ich den Text wieder
lese.
Ich lese dann das Original und die veränderte Kopie
parallel und versuche die Fehler zu finden. Es geht mir
hier nicht primär um die Rechtschreibung, sondern um
das Suchen der Fehler. Ich habe immer dann Probleme,
wenn ich längere Sätze an einem Stück lese. Dann habe
ich Probleme die richtige Stelle wieder zu finden, wo
ich aufgehört habe zu lesen. Ich muss also das Original
und die manipulierte Kopie immer parallel lesen. Dies
mache ich, indem ich zwei mal z.B. Word ausführe. Und
dann muss ich meine Fehler suchen. Ich lese den
Text auf der linken Seite und dann den Text auf der
rechten Seite und versuche dann, die Fehler
herauszufinden. Gerade bei längeren Kapiteln habe ich
die Schwierigkeit, die entsprechende Stelle im anderen
Text wieder zu finden. Bei dieser Übung gibt es relativ
viele Varianten, was die Länge des Textes betrifft.
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| 07.02.2008 |
| Stolz auf das, was ich
geleistet habe |
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Falls ich das noch nicht geschrieben
habe:
Ich bin sehr, sehr stolz auf das was ich inzwischen
geleistet habe. Wie ich zu Beginn gesagt habe, am Anfang
hatte ich geglaubt, das Ganze wäre in einem halben Jahr
"überstanden". Mit der Zeit habe ich dann
selbst gelernt, dass das eine Fehleinschätzung war.
Aber ich bin sehr stolz auf das, was ich in den letzten
2 1/2 Jahren geleistet habe. Auch die Tatsache das es
sehr lange dauert, bis sich das Wissen verfestigt hat. Das
ist wohl eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich
während dieser Zeit gemacht habe. Für manchen mag das
ja trivial sein. Aber für mich war das nicht trivial.
Von einem Tag auf den nächsten zu merken, dass mir das
"Werkzeug" erst mal genommen worden ist. Und
wie mühsam es ist, sich erst mal wieder die Grundlagen
aufbauen zu müssen. Im nach hinein eine sehr hilfreiche
Erfahrung. Jetzt, nachdem ich die Buchstaben wieder
mühsam gelernt habe, blüht an "mancher Stelle
vieles wieder von alleine auf". Ich merke jetzt,
dass viele Sachen immer noch da waren, aber während
dieser Zeit "geschlummert" haben. Erst da habe ich
gemerkt, wie wichtig das Vorhandensein grundlegender
Sachen wirklich ist. Wie gesagt, ich für meinen Teil
habe erst dann gemerkt, warum es so lange dauert, so
etwas aufzubauen. Normalerweise lernt man Stück für
Stück, aber eben kontinuierlich. Man merkt gar nicht, wie
schwierig eigentlich das Lernen war. Das habe ich
einfach unterschlagen. Und erst durch das Platzen meines
Aneurysmas ist mir klar geworden, wie schwierig und
langwierig der Prozess das Lernens ist. Aber auch wie
viel dahinter steckt.
Wichtig war aber auch, dass ich meine
Lieben um mich hatte. Meine Frau Annett, meine Tochter
Maya, meine Mutter Lina, meinen Vater Heinrich, meine
Schwiegermutter Helga und meinem Schwiegervater Bernd.
Ohne ihre Unterstützung hätte ich keine Chance gehabt.
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| 08.02.2008 |
| Autokennzeichen |
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Autokennzeinchen sind in Deutschland sehr
gut geeignet, um Zahlen von Buchstaben zu unterscheiden.
Nehmen wir z.B. NEA - ZA - 123. "NEA" ist die
Region, aus der das Fahrzeug kommt. Man weiß also von
woher das Fahrzeug kommt. Andere Beispiele sind
"M" für München, "B" für Berlin
oder "F" für Frankfurt. "ZA" sind
ein oder zwei Buchstaben, die meines Wissens rein
zufällig sind. Und dann noch eine Zahl, in diesem Fall
"123". Ich habe und lerne dabei immer noch
Buchstaben und Zahlen. Mir fällt es immer noch
schwer von Buchstaben nach Zahlen und umgekehrt
umzuschalten. Das Schöne dabei ist, dass das ganze nicht
rein zufällig und durcheinander geht, sondern zuerst der
abgekürzte Name der Ortes, den man im Kopf komplett
aussprechen kann, dann eine rein zufällige
Buchstabenkombination und zu guter Letzt eine ein- bis
vier-stellige Zahlenkombination. Das war eine perfekte Sache,
solange wir noch in
Berlin gewohnt haben. Am Anfang musste ich vor jedem
Auto stehen bleiben und dann hat es eine ganze Zeit
gedauert bis ich das Autokennzeichen entziffert habe.
Inzwischen geht das schon mit normaler
Fußgeschwindigkeit. Da wir jetzt aber auf dem Land
wohnen, ist es für mich etwas schwierig, das zu üben.
Aber wenn ich dann einmal in einer Stadt bin, lasse ich
mir keine Gelegenheit entgehen das zu machen.
Eine andere gute Übung ist auch die Angabe des
Datums. Also z.B. 27.04.1967. Man hat hier erst einmal
eine oder zwei Zahlen, dann einen ".", der bei
mir wieder relativ viele Schwierigkeiten macht. Dann
wieder eine oder zwei Zahlen, dann wieder ein
"." und zu guter letzt noch einmal vier Zahlen.
Man schaut am Besten im Lexikon nach, das gibt es jede
Menge derartiger Zahlen. Man kann dann auch noch einige
Variationen machen in dem man z.B. den Monat voll
ausspricht, also z.B. "April".
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| 10.02.2008 |
| Bilder und Namen |
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Das hätte ich ja fast
vergessen. Und
dabei habe ich fast ein Jahr damit verbracht. Ich habe
fast ein Jahr damit verbracht, Bilder zu betrachten und
zu benennen. Erst habe ich mir ein Bild angesehen und
dann habe ich versucht, es zu benennen. Da ich am Anfang
nicht Schreiben konnte, hat das Schreiben meine Frau
gemacht. Ganz zu Beginn war es wirklich so, dass ich ein
Bild zwar gesehen habe, aber es nicht benennen konnte.
Das hat auch wieder relativ lang gedauert bis es
einigermaßen funktioniert hat. Nach einer bestimmten
Zeit habe ich dann jeden Tag zirka 600 Bilder betrachtet.
Ich weiß nicht mehr, wie lange ich am Anfang gebraucht
habe, am Ende waren es dann ca. 30 Minuten. Hier ein
Paar Beispiele:














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| 11.02.2008 |
| Buchstaben |
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Ich habe mir relativ früh große
Buchstaben gekauft (siehe Abbildung). Für mich hat sich
das gelohnt. Man bekommt ein viel besseres Gefühl im
Umgang mit den Buchstaben. Ich habe fast jeden Tag eine
halbe Stunde mit diesen Buchstaben verbracht. Es gibt
einem ein ganz anderes Gefühl im Umgang mit den
Buchstaben.







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| 12.02.2008 |
| Buchstaben und Silben |
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Ich habe angefangen, mir Buchstaben im
Rechner in verschiedenen Größen, Richtungen und groß
und klein aufzuschreiben. Am Anfang hatte ich
beispielsweise Schwierigkeiten, die Buchstaben mir zu
merken, wenn sie nicht in der Senkrechten waren.
In letzter Zeit habe ich angefangen die
Wörter anhand von Silben wieder zusammen zu setzen.
Silben sind die nächste semantische Einheit in der
Sprache. Hier belese ich mich gerade über die
Grundlagen.
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| 13.02.2008 |
| Erstes Fazit |
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Was habe ich in den letzten 2 1/2 Jahren
gelernt, wie geht es mir? Ich habe gelernt das
Leben wieder neu einzuschätzen. Ich genieße jeden Tag
aufs Neue. Ich weiß jetzt, dass das Leben ein Geschenk
ist. Das ist vorher in all der Tageshektik untergegangen.
Wichtig ist für mich, dass ich nie den Kopf in den
Sand gesteckt habe. Ich war fast immer guter Hoffnung,
dass ich das schon schaffen werde. Natürlich hat das
Ganze viel länger gedauert als ich am Anfang gedacht
habe. Aber im nachhinein habe ich auch gelernt, dass
viel mehr zu schätzen, was ich alles geschafft habe. Es
wird sicher auch noch einige Zeit dauern, bis ich Lesen
und Schreiben und Mathe wieder einigermaßen beherrsche.
Eine wichtige Erkenntnis für mich, aber keine Neue:
Ohne Fleiß kein Preis. Therapien sind nur ein kleiner Stein
des gesamten
Mosaiks. Therapien können einem neue Ideen geben, was
noch alles zu machen ist. Aber das Tägliche Üben ist
das wichtigste, man muss immer am Ball bleiben.
Wie gesagt, eine der wichtigsten Sachen ist, das
Leben zu genießen und glücklich zu sein. Sehr wichtig
war für mich auch, dass ich meine Familie um mich hatte.
So, das
war es fürs Erste, was ich zu sagen
habe. Ich werde sicher das eine oder andere noch
hinzufügen. Wenn meine Frau die Zeit findet, wird sie
das Ganze mal aus ihrer Sicht darstellen.
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